Erfahrungen

Familien berichten


Mutter von 3 Kindern im Alter von 8, 11 und 14 Jahren

Vor 8 Jahren drehte es sich darum, ob unser erstes Kind als „Kann-Kind“ (Geburtstag im Juli, was damals nach dem Stichtag war) in die Schule kommt. Die Erzieherinnen des Kindergartens und die Verbindungslehrerin zur Schule rieten uns dazu, obwohl wir ihn lieber noch etwas „spielen lassen“ wollten. Er ist ein sehr aktives, praktisch veranlagtes Kind, trotzdem wollte unser Sohn aber in die Schule, da seine zwei besten Freunde schon ein halbes Jahr bzw. ein Jahr zuvor eingeschult worden waren. Nach reichlichen kritischen Überlegungen rangen wir uns durch, da unser Sohn ja eigentlich nichts zu verlieren hatte, da er die Eingangsstufe ja eben auch in drei Jahren durchlaufen könnte. Nun, die Beziehung zu seinen Freunden förderte ihn so, dass er mit dem Freund, der ein halbes Jahr zuvor eingeschult worden war, nach zwei Jahren in die dritte Klasse weitergehen durfte.

Die nächsten zwei Jahre waren ebenso unproblematisch. Der Übergang in die weiterführende Schule machte ihm dann zum ersten Mal in seiner Schullaufbahn zu schaffen. Aber nicht, weil er in einem anderen System lernen gewohnt war, nein, weil er von einer „kleinen Grundschule“, in welcher das biologische Alter nie eine Rolle gespielt hatte, in eine Realschule wechselte, die in einer Klassenstufe so viele Kinder hat, wie Klingenberg in der gesamten Schule und er der Jüngste war. Beim ersten Elternabend hob der Klassenlehrer hervor, dass er auf Anhieb die Klingenberger Kinder herausfiltern könne, ohne sie zu kennen. Ich sah schon „rot“! Aber er fuhr sogleich fort, diese Kinder würden das „freie Arbeiten“, das „Arbeiten nach Wochenplan“ und auch die „Gruppenarbeit“ beherrschen. Die Kinder, die „nur“ den Frontalunterricht im Klassenverband gewohnt waren, mussten nun diese Fertigkeiten erst mühsam erlernen. In einem späteren Elternabend wurde uns auch erklärt, wie wichtig diese Lern- und Arbeitsstrukturen bei der späteren Berufswahl wären. Ob dem wirklich so ist, kann ich aus heutiger Sicht noch nicht beurteilen. In persönlichen Gesprächen bekam ich auch immer wieder versichert, dass unsere Kinder ein gutes Sozialverhalten und auch Teamfähigkeit hätten. Ich nehme an, dass die altersgemischte Struktur in der Grundschule ihren wesentlichen Beitrag dazu leistete, dass sich dieses positive Miteinander entwickeln konnte. Selbst heute stattet unser Achtklässler noch gerne seiner Grundschule einen Besuch ab. 

Vor sechs Jahren kam nun unser Zweiter in die Schule. Im ersten Jahr schaute er viel von seinem besten Freund, der im Sommer zuvor eingeschult worden war, ab, was ihn sehr weit brachte. Im zweiten Jahr kam ein jüngerer Freund nach, bei dem er „endlich auch einmal“ der Große sein konnte und diesem einiges zeigen durfte, was ihn doch selbstsicherer machte. Die dritte Klasse war für ihn das erste Mal in einem festen Klassenverbund ohne Ältere oder Jüngere. Netterweise tat er sich mit einem Kind zusammen, das seine Stärken nicht wie er im Rechnen hatte, sondern im Lesen und Schreiben. Diese Zwei waren ein supertolles Team. Sie halfen sich gegenseitig und profitierten beide voneinander. Große Probleme gab es für ihn erst, als das erste Zeugnis mit Noten nahte. Ein paar neu zugezogenen Kinder kannten das schon und so breitete sich eine Unruhe und ein Vergleichen, ja ein Konkurrenzdenken aus. Die Klassenlehrerin hatte alle Mühe wieder Ruhe und Solidarität in die Klasse hineinzubekommen, indem sie Lehrer-Kind-Gespräche anbot und die Sache am Elternabend thematisierte, was den Klassenverband bis zum Schulwechsel sehr positiv beeinflusste. Von dieser guten Grundstimmung nahm er dann viel in die neue Schule mit und die Resonanz seiner Lehrerin lautete beim ersten Elterngespräch: „Ach, hätten wir doch mehr von dieser Sorte, wäre das Unterrichten eine reine Freude! Ein Kind, das den Kugelschreiber nicht beim Läuten weglegt, für das Gruppenarbeit egal in welchem Team kein Fremdwort ist, jemand, der auch vor der Klasse ohne Hemmungen etwas vortragen kann“. Diese Arbeitstechniken waren in der Grundschule in Klingenberg erlernt und als normal gehandelt worden, in der weiterführenden Schule vielen sie jedoch positiv auf.

Unser drittes Kind wurde nun vor drei Jahren eingeschult, er freute sich riesig auf die Schule, da auch bei ihm viele Freunde schon in der Schule waren. Ab März schrieb er nun, wie er es von seinen Freunden und Brüdern kannte, Großbuchstaben und begann, wenn er Lust dazu hatte und ein kurzes Wort in Großbuchstaben sah, zu buchstabieren. Im September sollte er nun als gerade Sechsjähriger in die Schule kommen. Wir waren schon gespannt, wie seine Eingangsstufenzeit werden würde. Käme er in eine herkömmliche Grundschule würde es seinen Forscherdrang bestimmt sehr dämpfen, da er ja schon einiges kannte und bestimmt nicht auf die Kinder „warten mochte“, die noch keine Buchstaben kannten.

Der „Schulanfang auf neuen Wegen“ mit der altersgemischten Eingangsstufe gab nun auch unserem Jüngsten die Freiheit sich so weiter zu entdecken, wie er es schon von Kindergarten und Zuhause her kannte. Und er nutzte diese Chance. Schon von Anfang an machte er seine Hausaufgaben vollständig selbständig, er hatte Klebeetiketten in seinen Arbeitsbüchern, auf denen die Seiten notiert waren, die er in seinem Tempo bearbeiten konnte. War er fertig, durfte er diese Bücher in der Schule ablegen, um in den darauffolgenden Tagen sie mit neuen Zettelchen zurückzuerhalten. Für die betreuende Lehrerin war es gewiss ein riesengroßer, eigentlich sehr zu bewundernder Aufwand, individuell auf jedes Kind abgestimmt die zu machenden Seiten zu notieren, für unser Kind war es die Möglichkeit zielstrebig in seiner Geschwindigkeit ohne unser Zutun durch den Lehrstoff der Eingangsstufe zu marschieren. Durch die für ihn individuell zugeschnittenen Aufgaben konnte seine Lerngeschwindigkeit selbstverständlich auch insoweit gebremst werden, dass sich der angeeignete Stoff festigen konnte.

Inzwischen ist er in der Aufbaustufe angekommen, mit Freude nimmt er das Angebot an Informationen an, egal ob es „eigentlich“ Lehrstoff der Klasse vier oder „sein“ Lehrstoff ist. In seinem Lieblingsfach fragt er nach zusätzlichen Aufgaben, in den weniger geliebten Fächern erledigt er „nur“ die erforderlichen. Die Aufbaustufe bereitet nun unseren Jüngsten auf den Übertritt in die weiterführende Schule vor. Im Moment lernt er, was es heißt, gemeinsam als Klasse gleichmäßig sich ein Thema zu erarbeiten und zu präsentieren durch Vortrag und Plakat und auch Klassenarbeiten zu schreiben. Mit diesem Rüstzeug ist es uns nicht bange, auch unser drittes Kind wird den Übergang meistern und mit Freude an eine schöne und informative Grundschulzeit zurück denken.

Schule bedeutet also für unsere Kinder 

  • nicht ruhig sitzen und leise sein zu müssen
  • Notendruck zu haben und zu machen, was alle machen

Es ist vielmehr für sie

  • Spaß am Entdecken und Forschen zu haben
  • Neues mit Freude zu erfahren
  • Freunde zu treffen
  • Antworten auf viele ihrer Fragen zu bekommen
  • Fachleute interviewen zu können
  • in ihrer Geschwindigkeit lernen zu dürfen  

Eigentlich wünschen wir jedem Kind eine solche Schulzeit, an die es immer gerne zurück denkt.

 

Eltern von 4 Kindern im Alter von 24, 21, 17 und 10 Jahren

Als Eltern haben wir schon viel Erfahrung mit verschiedenen Schulen, auch Grundschulen (durch Umzug bedingt), gemacht. Seit unser jüngstes Kind an der Grundschule in Klingenberg ist, haben wir Schule von einer ganz anderen Seite kennengelernt.
Durch die Altersmischung lernte unser Sohn seine Stärken und Schwächen erkennen. Er lernte, dass auch andere Kinder etwas besser können als er. Er lernte andere Kinder um Hilfe zu bitten. Er lernte es selbst zu beobachten, wenn andere Kinder Schwierigkeiten hatten. Daraufhin bot er seine Hilfe an und durfte auch helfen.

Jeden Tag darf jedes Kind da anfangen zu lernen, wo es mit seinem Wissen steht; jedes Kind wird individuell beobachtet und bekommt seine Aufgaben, ohne dass es gefrustet wird, weil es „mal wieder etwas nicht verstanden hat."
Wichtig ist, dass nicht alle Kinder jeden Tag das Gleiche üben müssen. Die Kinder, die schon weiter sind, dürfen sich an schwierigere Aufgaben wagen und die Kinder, die noch etwas Übung brauchen, dürfen üben. Dies vermeidet Verdruss am Lernstoff und dadurch aufkommende Langeweile, was sich z.B. durch Stören des Unterrichts oder erhöhtem Lärmpegel äußert.

Ein ganz wichtiger Punkt kommt noch hinzu, die Kinder lernen selbstständig sich ein Thema zu erarbeiten. Die Kinder lernen zu Lernen, das bedeutet, sich ein umfangreiches Thema oder Projekt zu erarbeiten, dabei  sich die Zeit einzuteilen, sich Informationen aus Büchern, Zeitschriften oder dem Internet zu besorgen. Anschließend hatten sie die Möglichkeit, ihre Arbeiten beim „Kindersprechtag“ oder bei einer Präsentation vor ihren Mitschülern, Lehrern und nicht zuletzt den Eltern vorzustellen. Dies gab den Kindern Sicherheit sich vor vielen Menschen zu sprechen.

Die Eltern können dabei lernen, Vertrauen in die Kinder und in die Schule zu haben, es müssen nicht die Hausaufgaben von den Eltern korrigiert werden – die Eltern können es ja. Nur so erfährt der Lehrer wo es noch klemmt und dem Kind wird geholfen, seine Fehler zu korrigieren. Es muss von den Eltern nicht ständig kontrolliert werden, ob das Kind das Lernziel erreicht, das kann man getrost der Schule überlassen.

Damit bekommen die Kinder Spaß, sich Wissen zu erarbeiten im Team oder auch für sich alleine.
Schule ist kein Frust mehr – die Kinder sind so stolz nach einer Präsentation – sie lernen vor vielen Menschen frei zu reden, sie bekommen Anerkennung und die Beachtung und der Respekt der Kinder untereinander und zu den Lehrern ist sehr groß.

Unser Sohn verlässt mit Abschluss dieses Schuljahrs die Grundschule Klingenberg – hier durfte er Kind sein, mit Begeisterung lernen und für die weitere Schulzeit ist uns nicht bange, denn er hat Selbstbewußtsein bekommen und weiß wie man sich selbstständig hilft, er scheut sich auch nicht zu fragen.

Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich bei allen Lehrern der Grundschule Klingenberg bedanken, wir gehen mit Wehmut, kommen aber sicher des öfteren zu Besuch.

 

 
 

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